1333
1680
1714
1749
1797
1824
1849
1939
1945
1977
1983
2003
2006
Der Hainer Hof, ein Freihof, war Mittelpunkt von Hähnlein, als das Dorf 1333 erstmals erwähnt wurde.
Zwischen 1504 und 1600 kam das Hofgut in die Hand des Landgrafen von Hessen , der es dann in den
Geldnöten des 30-jährigen Krieges verkaufen musste. Von nun an sind hohe hessische Staatsdiener Besitzer
des Hofes, die jeweils von allen bürgerlichen Lasten befreit waren.
Erster Besitzer war der Hofmaler Cornelius Daud (1639-1664). Nach dem Tode seiner
Frau ging das Gut auf den Kammerrat Johann Daub und schließlich an dessen Sohn
Justus über.
General von Prettlack , der im Besitz mehrerer Güter in Südhessen war, kaufte das
Hofgut und ließ es 1717 herrschaftlich ausbauen.
Von den Prettlackschen Erben erwarb 1749 der Hessische Kanzler Kilian von
Schwarzenau das Anwesen; ihm gehörte auch das Hofgut zu Bickenbach.
Das Hähnleiner Gut ging an Amtmann Pistor von Seeheim über. Pistor
verkaufte das Gut für 30.000 Gulden an den berühmten Arzt Christoph Wilhelm
Hufeland (*1762; †1836). Hufeland, der Universitätsprofessor in Jena und später
Leibarzt Friedich Wilhelms von Preußen und der Königin Luise war, wollte in
Hähnlein seinen Alterssitz nehmen. Nach Trennung von seiner Ehefrau erhält sie
das Hofgut und nahm Ihren Wohnsitz in Hähnlein. Nach und nach veräußerte sie
den Besitz, verkaufte schließlich das Herrenhaus an Georg Nikolaus Gerhard aus
Hähnlein. Von diesem wurde es dann vom Schreinermeister Newenhagen aus
Darmstadt erworben.
1824 kaufte der großherzoglich
hessische Ordensritter und Major der Kavallerie Freiherr
Kaspar von Villiez das Gut. 1827 bittet der Kammerherr, eine
landwirtschaftliche Lehranstalt errichten zu dürfen.
erwarb das „Komitee der Rettungsanstalt für verwahrlo
ste Kinder“ das Gut für 7550 Gulden. Johann Hinrich Wichern (*1808;
†1881) hatte einen Evangelischen Landesverein für Innere und Äußere
Mission gegründet. Dieses Gremium beschloss 1849 die Gründung eines
Rettungshauses für verwaiste und schwer erziehbare Jungen. Mit dem
Hofgut fand man die passenden Gebäude.
Die Kaufsumme kam durch Spenden und Sammlungen zusammen.
Grundstock bildete mit 54 Gulden eine Kollekte nach einer Predigt
Wicherns in Darmstadt. Im März 1851 kam der erste „Zögling“ und am
11.Juni 1851 erfolgte die Einweihung. Damit begann eine weithin bekannte und anerkannte pädagogische
Arbeit.
Zum 10-jährigen Bestehen kam mit Ihrer Königlichen Hoheit Frau Prinzessin Carl von Hessen nebst
Prinzessin Anna Großherzogliche Hoheit prominenter Besuch aus Darmstadt, der Hofkaplan hielt die
Festpredigt.
Das Knabenerziehungsheim, das als Gut geführt wurde, bewirtschaftete 1932 an Ackerland 10,5 ha, hatte 8
ha Wiesen und ca. 1,7 ha. Weiden. In den Ställen standen 2 Pferde, 5 Kühe, 3 Rinder und 10 Schweine.
Damit war es in jener Zeit der größte landwirtschaftliche
Betrieb in Hähnlein. Neunzig Jahre bestand dieses
Rettungshaus für gefährdete Kinder. Für die meisten
Zöglinge war es trotz oder wegen des strengen
Erziehungsalltags auch die Grundlage für eine erfolgreiche
Rückkehr ins „normale“ Leben.
Diese wertvolle pädagogische Arbeit musste 1939 unter
dem Druck der Nationalsozialisten abgebrochen werden.
Welchem Schicksal die letzten Zöglinge entgegengingen,
liegt noch im Dunkel, sehr wahrscheinlich wurden sie aber von den Nationalsozialisten getötet.
Die Gemeinde Hähnlein erwarb das Knabenerziehungsheim mit sämtlichen Gebäuden und einem Teil des
angrenzenden Feldes. Bürgermeisterei, Fortbildungsschule, Lehrerwohnung und sämtliche Dienststellen der
NSDAP sollten in das ehemalige Erziehungsheim verlegt werden. Das Schulhaus der Anstalt stellte die
Gemeinde der Kirche zur Verfügung.
In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg durchlebte „Die Anstalt“ ab 1945 auch wechselvolle Belegungen mit
entsprechenden Umbauten. Wohnungen mussten zunächst als Flüchtlingsunterkünfte eingebaut werden,
die von insgesamt 17 Mietern genutzt wurden. Auch betreuten 3 Zahnärzte hintereinander von 1949-1967 in
diesem Gebäude ihre Patienten.
Die Gardinenweberei Firma Wölfel nahm hier ihren Neuanfang nach der Vertreibung aus dem
Sudetenland von 1947-1949.
Ein Raum wurde als Turnsaal genutzt. Im Keller war die Kleiderkammer des Roten Kreuzes eingerichtet.
Ein Schneider und eine Friseurin betrieben ebenfalls in der „Anstalt“ ihre Geschäfte.
Das Gebäude diente bis 1977 in drei Räumen als Rathaus für Hähnlein. Heute befindet sich darin die
Außenstelle der Gemeindeverwaltung und das Trauzimmer.
Die Feuerwehr hatte im ehemaligen Schlafsaal der „Anstalt“ einen Schulungsraum. Räumlichkeiten
standen auch der Gemeindebücherei und dem Roten Kreuz für die Gemeindeschwester zur Verfügung.
Anlässlich der 650-Jahr-Feier übernahm ab 2. Juni die „Arbeitsgruppe Hähnleiner Geschichte“ für eine
Ausstellung einige Räume im Obergeschoss und baute diese Stück für Stück zum Museum aus. Neben der
Dauerausstellung wurde der Bevölkerung jährlich mindestens eine Sonderausstellung präsentiert.
Höhepunkte u.a.:
-
„Feuerwehrausstellung“
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„Hähnleiner Musikanten“
-
„Ziegenzucht in Hähnlein“ (mit lebendiger Ziege)
-
„Historische Kaffeemaschinen“
-
„Konfirmation – gestern und heute“
-
„Hähnleiner Kerb“
-
„Kartoffelbrei und Stampes“
-
„Geschichte des Knabenrettungshauses“
-
„Hähnlein, Tor zur Welt“ – Zum Eisenbahnhaltepunkt Hähnlein-Alsbach
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„Jubiläum – 20 Jahre Museum in Hähnlein“
-
„Lange Nacht des Hähnleiner Museums“
-
„ Blick nach Alsbach“ – Fotoausstellung.
Weitere Räumlichkeiten kamen in den nächsten Jahren hinzu. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe
„Hähnleiner Geschichte“ beschlossen 2006 ihre Arbeit zukünftig als Museumsvereinn für Alsbach und
Hähnlein fortzusetzen.
Ab 2006 erfolgte auch die Generalrenovierung des Gebäudes im Rahmen des Hessischen
Dorferneuerungsprogrammes. Das Museum musste vollständig geräumt werden. Die Exponate konnten
zum großen Teil im leerstehenden Verwaltungsgebäude der Firma Intersnack (Wolf Bergstraße)
zwischengelagert werden.
Feierliche Wiedereröffnung der „Anstalt“ am 22.März 2009.
Mit neuer Konzeption nahm der Museumsverein Alsbach-Hähnlein seine Arbeit wieder auf.